Saudi Arabia Stories - Part 1

 

Jetzt ist es soweit. Wir schreiben den 30.03.2004 nach gregorianischem Kalender und irgendwann im Jahr 1425 nach islamischem Kalender und ich bin in Riyadh angekommen. Ich liege auf meinem Bett im Hotel Al Khozama und tatsächlich überrascht, wie anders sich diese Welt schon nach wenigen Stunden darstellt. Aber eins nach dem anderen.

Die Anreise hat überraschend reibungslos funktioniert. Einchecken bei Swiss International Airlines/Terminal 2 mit 8 Kilogramm Übergepäck (Kostenpunkt 147 Euro) und dann zum obligatorischen, letzten Getränk im McDonalds. Dann kam der erste harte Part: die Verabschiedung meiner Lieben für mehrere Monate, es wurde mir dort erst richtig bewusst worauf ich mich hier eingelassen habe. Trotz vieler Verabschiedungen im Vorfeld. Hoffentlich bekomme ich hier die Erfahrungen, die dafür entschädigen. Der Flug über Zürich nach Riyadh verlief dann völlig ohne Probleme. Abheben in Frankfurt um 10:00 und Ankunft in Riyadh um ca. 19:00 Ortszeit - inklusive (nur) eine Stunde Zeitverschiebung. Ich hatte viel von den Kontrollen bei der Einreise in Riyadh gelesen, sie seien wahnsinnig streng und durchstöbern häufig sämtliches Gepäck. In meinem Fall wurde aus dem gesamten Flugzeug niemand kontrolliert. Aber die Blicke der Kontrolleure würden einen wahrscheinlich erstarren lassen, wenn man auch nur einen Hustensaft mit Alkohol dabei hätte. Jedenfalls wird an diesem wirklich schönen Flughafen schon klar, dass Frauen und Männer hier getrennte Leben führen. So gab es hier einen gesonderten Raum für alleinreisende Frauen und ich nehme an, hier konnten sie nur von einem männlichen Verwandten oder Bekannten "abgeholt" werden, inwiefern dies auch für westliche Frauen gelten würde, weiss ich nicht, da keine an Bord waren. Als ich mich dann dem Exit näherte konnte ich nur hoffen, dass mich jemand erwartet und ich hatte Glück. Dort stand ein (ich denke) Pakistani, der wirklich nicht sehr gesprächig war, und brachte mich in einer schweigenden Dreiviertel-Stunde ins Hotel. Der Verkehr ist in der Stadt wirklich übel, Verkehrsregeln sind nur bedingt zu erkennen, aber ich denke daran gewöhnt man sich. Die Frage ist nur, wie findet man sein Ziel? Denn bei weitem nicht alle Schilder tragen englische Untertitel...wir werden sehen. Es gibt hier übrigens wahnsinnig viele Leuchtreklamen, ich denke die Leuchtstoffröhre hat den Zenith ihres Erfolges in Riyadh gefunden. Angekommen im Hotel musste ich feststellen, dass dies nicht Dubai Standard ist, aber es ist schon okay. Es gibt eine Minibar im Zimmer und auch eine Hotelbar, dort habe ich mir ein leckeres, alkoholfreies Holsten genehmigt (knallt in diesem Fall nicht am dollsten). Ich hoffe, es liegt an meiner Müdigkeit, dem Abschied und den vielen neuen Eindrücken, dass ich bisher nicht gerade in Begeisterungsstürme ausbreche. Mir kommen hier alle Menschen eher unfreundlich vor, dabei wird immer gerade die Freundlichkeit gelobt. Naja, wir werden sehen. Im übrigen habe ich auch hier im Hotel noch keinen Internetanschluss finden können und es scheint auch keinen Vodafone-Roaming Partner zu geben, mein Handy findet kein erlaubtes Netz, leider. Es gibt noch viel zu tun - packen wir's an...soviel zum ersten.

 

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Am nächsten Morgen sah die Welt schon ganz anders aus. Nachdem ich gut ausgeschlafen hatte habe ich mich mal getraut aus dem Fenster zu sehen - wie ich erwartet hatte ist hier alles irgendwie hellbraun, mittelbraun, mittel-hellbraun, beige, hell-mittelbraun, dunkelweiß oder knallbunt. Nach einem kurzen Telefonat mit SBM habe ich auch endlich deren Adresse bekommen, um sie dem Taxi-Fahrer mitzuteilen. In einem Toyota Camry mit plastiküberzogenen Sitzen bin ich dann durch die Stadt kutschiert worden und konnte mich leidlich gut mit dem Fahrer unterhalten. Direkt gefunden haben wir SBM dann dennoch nicht, denn es gibt kein Schild und irgendwie auch keine Hausnummern - das muss ich noch verifizieren. Kurzer Exkurs: Man kann sich hier auch keine Post nach Hause schicken lassen, sondern man benötigt ein Postfach, vielleicht gibt es also tatsächlich keine Hausnummern?!?! Das ist jedenfalls mein aktueller Wissensstand. Exkurs Ende. Ich habe mir dann auch gleich die Nummer des Taxi-Fahrers geben lassen, damit ich wenigstens jemanden habe der ein bisschen Englisch verstehen kann - und auch wirklich nett ist. Jedenfalls wurde ich dann kurz bei Ramanathan Ramadurai vorstellig, ohne wirklich zu wissen welche Aufgabe er hat, aber mein Hotel und die Abholung vom Flughafen hat er geregelt. Seitdem sitze ich hier, schreibe diese Zeilen und warte entweder auf den Menschen aus der Personalabteilung oder meinen zukünftigen Chef, beide scheinen nicht da zu sein. Aber in der Ruhe liegt die Kraft... irgendwann wurde ich dann zur Personalabteilung gebracht. Dort bekam ich einen Stapel Formulare und viel zu lesen für den Nachmittag. Zum Mittagessen wurde ich von einem deutschen Kollegen mitgenommen und wir sind zu einem weiteren Kollegen in die Kantine gefahren. Man scheint hier durchaus zynisch zu werden, denn es scheint sehr schwierig zu sein hier Projekte durchzuführen und mit Saudis zusammen zu arbeiten. Dinge werden nicht oder verspätet erledigt, Leute erscheinen nicht oder zu spät zu vereinbarten Terminen, es wird gelogen was das Zeug hält und irgendwie haben sich trotzdem alle (Saudis) lieb. Die Buh-Männer sind dann die Ausländer - wieso konnten Sie den Termin für den Projekt-Meilenstein nicht halten?? Nachmittags habe ich dann auch mein erstes Meeting gehabt - Erstellung eines Portalangebots und die Anfrage war komplett auf arabisch. Der Kollege musste mir also alles übersetzen. Außerdem war es natürlich extrem dringend und sämtliche Details fehlten. Also irgendwie ähnlich wie in Deutschland ;-) Als das alles geschafft war bin ich mit meinem Kollegen ins FAL Compound gefahren, um mich dort umzuschauen. Obwohl es auf www.riyadh-today.com nur als "best of the rest" auftaucht, ist es wirklich in Ordnung und ich werde versuchen dort unterzukommen. Von da an werde ich auch eine Internetverbindung haben - nicht schnell, aber via Satellit und damit nicht zensiert (soweit ich weiss). Anschließend sind wir noch in die Altstadt gefahren, haben uns die alte Festung angeschaut, ich habe das National Museum zumindest von aussen gesehen und schließlich waren wir noch bei einem Libanesen essen. Essen ist hier übrigens ausser fernsehen und shopping die einzige Freizeitgestaltung, hat man mir gesagt.

SBM hat übrigens mit der IBM, wie wir sie kennen, rein gar nichts zu tun. In heruntergekommenen Büros mit den obligatorischen grauen Büroabteilen kann man sich niederlassen, eventuell bekommt man noch einen Laptop und wenn man noch mehr Glück hat, dann bekommt man auch einen Internetanschluss. Das ist keineswegs Standard. Und das bei der Firma die e-business erfunden hat?!?! Wo bekommen die eigentlich Ihre Informationen her, frage ich mich. Naja, ich werde es herausfinden - "in sha'allah" Jetzt ist erstmal Wochenende, Zeit die Sau rauszulassen, nur wo?